Geschichte

Wie alles begann

In den späten Siebzigerjahren startete in Appenzell die junge und etwas verrückte Guggenmusik „Ä-pfoch“ durch. Im Gasthaus „Engel“ in Appenzell, dem Stammlokal, wurde nach den Guggen-Proben oft bis spät in die Nacht gesungen, allerdings ohne Ansprüche an die Gesangsqualität, dafür in markanter Lautstärke und aus vollem Herzen.

Um letzteres zu ändern und die alten Appenzeller Lieder zu pflegen, begannen fünf der Kollegen, miteinander zu proben. Sie trafen sich ab 1980 jeweils am Sonntagnachmittag in der heimischen Stube zur Gesangsprobe und Kaffee. Die Legende sagt, dass dann und wann gejasst statt gesungen wurde…
Im Dezember 1979 liessen die fünf Gründer den alten Brauch des Neujahrssingens wieder aufleben und pflegen diese schöne Tradition seither ohne Unterbruch. Dieser Innerrhoder Brauch war vorher längere Zeit in Vergessenheit geraten. Dass heute in Appenzell wieder mehrere Formationen zwischen Weihnachten und Neujahr wieder von Haus zu Haus ziehen, um den Bewohnern mit Singen alles Gute zum neuen Jahr zu wünschen, ist zum Teil der Vorreiterrolle der fünf Engelchörli-Gründer zu verdanken.

Zu diesen fünf Gründern – welche ohne Ausnahme bis zum Schluss im Engel-Chörli mitsingende – gesellten sich bald drei weitere Sänger. Zusammen bilden sie seit der offiziellen Vereinsgründung am 27. März 1982 das «Engel-Chörli Appenzell». Acht eigene CDs, Mitwirkung bei etlichen weiteren CD-Produktionen, mehrere TV- und Radio-Sendungen, ungezählte Auftritte in der Schweiz und im Ausland sowie alle drei Jahre ein neues Unterhaltungsprogramm waren das hör- und sichtbare Resultat der engen Freundschaft und Sängertätigkeit.

Am 22. April 2008 musste das Engel-Chörli einen herben Schlag einstecken. Nach exakt 25 Jahren Singen in unveränderter Besetzung verstarb Kläus Dobler. Als Komponist, Arrangeur, musikalischer Begleiter und Vizedirigent hatte er das Engel-Chörli massgeblich mitgeformt und vorwärts gebracht.

Das Repertoire

Während zu Beginn vorab alte Appenzeller Lieder und Ruggusserli gesungen wurden, erweiterte das Engel-Chörli sein Repertoire um Männerchorlieder und Messgesänge. Bald schon kamen Jodellieder von verschiedenen Komponisten hinzu. Das musikalische Schwergewicht lag nun beim Jodelgesang und folgerichtig trat man 1985 dem Eidgenössischen Jodlerverband bei. Seit 1986 besuchte das Engel-Chörli lückenlos sämtliche Jodlerfeste des NOSJV, sämtliche Eidgenössischen Jodlerfeste sowie verschiedene Jodlerfeste bei andern Unterverbänden. Sämtliche Vorträge des Engel-Chörlis seit 1986 bis zum Schluss wurden stets mit der Note 1 als «sehr gut» bewertet.

Anfang der Neunzigerjahre stieg die Lust an musikalischen Experimenten. Sukzessive kamen modernde Titel im Stil von „A-Cappella-Pop“ hinzu, welche konsequent im Dialekt interpretiert werden. Diese Mischung waren die Basis zum Erfolg des Engel-Chörlis: Jodel und A-Cappella – gleichberechtigt nebeneinander. In dieser Kombination wurden abendfüllende Konzerte gestaltet, was bald einmal die Tore zu neuen Veranstaltern öffnete, insbesondere auch in der Kleinkunstszene.

Mit dem Kulturpreis ausgezeichnet

Im Oktober 2016 wurde den acht Sängern des Engel-Chörlis eine besondere Ehre zuteil. Sie wurden von der Stiftung Pro Innerrhoden mit dem Innerrhoder Kulturpreis ausgezeichnet, welcher erstmals an eine ganze Gruppe verliehen wurde.

Sang- und klangloser Abschied (beinahe)

Auch eine vierzigjährige Geschichte erreicht irgendwann ihr Ende. Geplant war ein fulminantes Feuerwerk mit zahlreichen Privatauftritten und Konzerten in der ganzen Schweiz. infolge der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie fielen ab März 2020 sämtliche Auftritte ins Wasser. Das vorgesehene Ende wurde zusammen mit dem Eidg. Jodlerfest um ein Jahr ins 2021 verschoben. Im Herbst 2020 schien ein letztes Aufbäumen möglich, sogar drei Auftritte durften wir machen. Schon im November 2020 waren dann nicht einmal mehr Proben möglich. So blieb es bei einem kleinen Abschiedskonzert am (offiziell nicht stattfindenden) Eidg. Jodlerfest in Basel im Juni 2021. Dutzende weitere Auftritte mussten von den Veranstaltern abgesagt werden.

Somit hörte unsere Geschichte Ende Juni 2021 sang- und klanglos auf. Das Engel-Chörli Appenzell ist damit endgültig Geschichte. An einem nachträglichen Schlusskonzert ertönten in der Pfarrkirche Appenzell am 27. August 2021 die letzten Akkorde aus den acht Kehlen des Engelchörlis.

Zum Schluss danken wir allen unseren treuen Fans, Veranstaltern und allen, die uns seit 1980 engagiert, uns zugehört, unsere Konzerte besucht und unsere CD gekauft haben.

Unsere CD erhalten kannst du weiterhin bei den acht Sängern direkt bestellen – solange Vorrat.